Ich dachte immer, meine Frau sei einfach nur ungeschickt – sie tat die blauen Flecken an ihren Handgelenken immer ab und sagte: „Ich bin irgendwo gegen gestoßen, ist doch nichts.“ Dann zeigte die Küchenkamera, wie meine Mutter sich das Handgelenk quetschte und flüsterte: „Lass es bloß nicht mein Sohn erfahren.“ Ich sah mir die Aufnahme dreimal an, und es war nicht dieser Moment, der mir das Blut in den Adern gefrieren ließ.

Ich dachte immer, meine Frau sei einfach nur tollpatschig – sie schimpfte ständig mit mir wegen der blauen Flecken an meinen Handgelenken und meinte: „Ich bin irgendwo gegen gestoßen, ist doch nichts Schlimmes.“ Dann zeigte die Küchenkamera, wie meine Mutter sich das Handgelenk quetschte und flüsterte: „Lass meinen Sohn das bloß nicht erfahren.“ Ich sah mir das dreimal an, und es war nicht nur dieser Moment, der mir einen Schauer über den Rücken jagte – mir wurde klar, als ich sah, wie meine Frau bei diesen Worten nicht einmal mit der Wimper zuckte, dass das schon öfter passiert war.

Ich dachte immer, meine Frau sei einfach nur tollpatschig.

Es klingt heute unverzeihlich, aber damals schien es einfacher, als die unangenehmen Fragen zu stellen. Immer wenn ich die blauen Flecken an Avas Handgelenken bemerkte, hatte sie eine Erklärung parat. Sie warf einen Wäschekorb gegen die Küchentheke. Sie stieß gegen die Speisekammertür. Sie rutschte mit den Einkäufen aus. Die Spuren waren nie auffällig, nie groß genug, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Nur subtile Schatten unter der Haut, blau-gelbe Fingerabdrücke, die erschienen, verblassten und wiederkehrten.