Der Milliardär ertappte um Mitternacht eine Putzfrau dabei, wie sie seinen 12 Milliarden Dollar teuren Turm neu zeichnete, und dann sah er, was seine Ingenieure versteckt hatten.

TEIL 1

„Weg von den Bauplänen, sonst rufe ich den Sicherheitsdienst!“

Alejandro Salvatierras Stimme hallte um 2:17 Uhr morgens im 49. Stock des ehrgeizigsten Turms, der je in Mexiko-Stadt gebaut wurde.

Die Frau, die auf dem Betonboden kniete, riss den Kopf hoch. Sie trug die dunkelblaue Uniform der Reinigungskräfte, ihr Haar war halb zurückgebunden, und zwischen ihren Fingern hielt sie ein Stück weiße Kreide. Neben ihr wirkte ein Eimer mit schmutzigem Wasser genauso deplatziert wie sie selbst inmitten der Baupläne, Fotos von Balken und direkt an die Wand gekritzelten Zahlen.

Alejandro leuchtete ihr mit seiner Taschenlampe ins Gesicht.

Sie schloss die Augen.

„Können Sie das weglegen? Ich stehle nichts.“

Alejandro war es nicht gewohnt, so angesprochen zu werden. Mit 52 Jahren hatte der Besitzer der Grupo Salvatierra Krankenhäuser, Einkaufszentren, Wohnanlagen und ein halbes Dutzend Hochhäuser errichtet, die bereits die Skyline von Reforma und Santa Fe prägten. Der Torre Horizonte, dessen Wert auf über 220 Milliarden Pesos geschätzt wurde, sollte sein Meisterwerk werden: Arztpraxen, Wohnungen, Geschäfte, ein Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr und eine Aussichtsplattform, die das Viertel Observatorio für immer verändern sollte.

Und nun traf er frühmorgens allein auf eine Reinigungskraft, die vertrauliche Dokumente hantierte.

„Wie heißen Sie?“

Sie deutete auf ihren fleckigen Ausweis.

„Clara Mendoza.“

„Ihre Schicht ist schon vor Stunden zu Ende, Clara. Was machen Sie auf einer gesperrten Etage?“