Mariana wurde übel.
Dann Iváns Stimme, leiser.
„Und was ist mit dem Geld?“
Pedro antwortete, als spräche er über das Wetter.
„Wenn sie heiratet, unterschreibst du als ihr Ehemann und ich als Verwandter. Das Konto wird übertragen. Sie wird gar nicht verstehen, was sie unterschreibt. Sie vertraut mir blind.“
Iván lachte kurz auf.
„Und wenn sie fragt?“
„Sag ihr, es sei zu Camilas Schutz. Das zieht immer.“
Mariana hielt sich die Hand vor den Mund.
Nicht, um mit dem Weinen aufzuhören.
Sogar um nicht zu schreien.
Die Aufnahme lief weiter.
„Und wie viel willst du?“, fragte Iván.
„Die Hälfte. Ich habe sie dir anvertraut, Kumpel.“
Da war die Wendung, die ihr das Herz brach.
Iván hatte sich nicht in sie verliebt.
Pedro hatte sie nicht glücklich sehen wollen.
Sie hatten ihre Romanze beide wie einen geplanten Raubüberfall inszeniert.
Mariana betrachtete sich im Flurspiegel.
Ihr Make-up saß noch immer perfekt.
Ihr Kleid war noch immer weiß.
Doch die Frau, die damals auf der Hochzeit erschienen war, existierte nicht mehr.
Sie hatte die Aufnahme gespeichert, sie Mónica geschickt und geschrieben:
„Ich werde sie veröffentlichen.“
Mónica antwortete:
„Sei vorsichtig. Aber ja. Lass es alle hören.“
Mariana kehrte in den Festsaal zurück.
200 Gäste lachten, tanzten und filmten.
Iván wartete am Kuchen auf sie.
Pedro hielt einen Pokal in der Hand, als hätte er bereits gewonnen.
Der Zeremonienmeister verkündete:
„Nun möchte die Braut ein paar Worte sagen!“
Niemand ahnte, dass Mariana das nicht gewünscht hatte.
Sie ging auf die kleine Bühne, nahm das Mikrofon und sah Camila an.
Das kleine Mädchen saß neben Lupita, aß Kuchen und trug immer noch nur einen Schuh.
Mariana atmete erleichtert auf.
„Danke, dass Sie hier sind. Wirklich.“ Heute sollte der Tag sein, an dem ich ein neues Leben beginne.
Applaus.
Iván hob sein Glas.
Pedro lächelte mit aufgesetztem Stolz.
Mariana fuhr fort:
„Aber vor ein paar Minuten zupfte meine fünfjährige Tochter an meinem Kleid und erzählte mir etwas, das sie im Garten aufgeschnappt hatte.“
Der Lärm im Raum ebbte langsam ab.
Iváns Lächeln verschwand.
Pedro erstarrte.
„Sie erzählte mir, dass ihr neuer Stiefvater und ihr Onkel über das Geld sprachen, das ihr Vater Rodrigo ihm hinterlassen hat. Sie sagte, sie habe mich allein belauscht, und deshalb sei es so einfach gewesen.“
Ein Raunen ging durch die Reihen.
Marianas Mutter griff sich an die Brust.
Iván trat eine Stufe von der Bühne zurück.
„Mariana, Schatz, komm runter. Du bist aufgebracht.“
Sie hob die Hand, um ihn aufzuhalten.
„Nenn mich nicht Schatz. Nicht heute.“
Pedro versuchte zu lachen.
„Kleine Schwester, bitte. Mädchen können sich Dinge ausdenken. Du weißt doch, wie sie sind.“
Mariana sah ihn mit einer Kälte an, die noch nie jemand an ihr gesehen hatte.
„Ja. Mädchen können sich irren. Deshalb habe ich nach Beweisen gesucht.“
Sie holte ihr Handy heraus.
Sie hielt es ans Mikrofon.
Und spielte die Aufnahme ab.
Pedros Stimme erfüllte den Raum.
„Im Ernst, Iván, sie ist bereit. Sie war drei Jahre lang allein. Wenn du nur nett mit ihr redest, wird sie sich in dich verlieben.“
Die Stille war ohrenbetäubend.
Jemand rief von einem Tisch im hinteren Teil des Raumes: „Unmöglich!“
Dann hörte man Iván:
„Und was ist mit dem Geld?“
Und Pedro:
„Wenn sie heiratet, unterschreibst du als Ehemann und ich als Verwandter. Das Konto wird übertragen. Sie wird gar nicht verstehen, was sie da unterschreibt.“
Marianas Mutter ließ das Glas fallen.
Ein Cousin begann zu filmen.
Ivans Vater sprang rot vor Verlegenheit auf.
Pedro ging zur Bühne.
„Mach das aus! Du machst dich lächerlich!“
Mariana rührte sich nicht.
Sie ließ die Aufnahme bis zum letzten Satz laufen.
„Die Hälfte. Ich hab’s dir doch gegeben, Mann.“