„Du hattest keine Beweise.“
„Ich hätte Lily vertrauen sollen.“
„JA.“
Maria senkte den Blick: Seine Ehrlichkeit schmerzte mehr als ein tröstendes Wort.
„Aber ich hätte mir selbst vertrauen sollen“, fuhr Ethan fort. „Ich werde dich nicht dafür bestrafen, dass du Angst hattest, wo ich doch wochenlang genau dasselbe getan habe.“
„Das ist eine andere Situation.“
„Warum?“
„Weil die Firma dir gehört. Dieses Haus dir. Du kannst es dir leisten, Fehler zu machen.“
Er lehnte sich zurück. „Und du konntest es nicht.“
Maria riss die Augen auf.
„Wenn ich Vanessa ohne Beweise beschuldigt hätte“, sagte er, „hättest du dein Einkommen, deine Krankenversicherung, die Wohnung, die du deiner Tochter zur Verfügung stellst, verlieren können. Ich hätte mich ein wenig geschämt. Du hättest alles verlieren können.“
Ihre Lippen öffneten sich leicht, aber sie sagte nichts.
„Ich wünschte, du hättest den Mund aufgemacht“, sagte Ethan. „Aber ich verstehe, warum du es nicht getan hast.“
„Ich will keine Almosen.“
„Na schön. Ich schlage es ja auch nicht vor.“ Er schob den Brief über den Schreibtisch. „Ich biete dir an, zu bleiben. Gleiches Gehalt, gleiche Position, keine Schulden zwischen uns.“
Maria faltete den Brief zusammen. „Und was ist mit Lily?“
„Lily kann mich jederzeit besuchen kommen. Sie hat mir 48 Millionen Dollar erspart. Ich finde, sie hat unbegrenzt Apfelsaft verdient.“
Maria brach in schallendes Gelächter aus, bevor sie sich beherrschen konnte. Ethan hatte sie schon hunderte Male höflich lachen hören. Diesmal war es anders. Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich schlagartig.
Zum ersten Mal seit vier Jahren fragte er sich, wer Maria Reyes war, wenn sie nicht gerade damit beschäftigt war, anderen das Leben zu erleichtern.
Zwei Monate später brachte Maria ihm eine von Lilys Zeichnungen: die rote Buntstiftfigur, die immer noch vor dem Haus stand.
„Ich dachte, du solltest sie sehen.“
Ethan betrachtete sie. „Wer sind diese drei Personen?“
Maria zögerte. „Er zeichnet schon seit fast einem Jahr eine ähnliche Version. Ich habe ihn mal gefragt, wer die Figuren sind.“
„Und?“
„Er sagte, es wären du, sie und ich.“
Eine totenstille Stille senkte sich über das Büro. Ethan fuhr mit dem Finger die Umrisse einer der Strichmännchen nach. „Warum hat er mich gezeichnet?“
„Er sagte, du hättest dir seine Fotos angehört.“
„Das ist alles?“
„Er sagte, du hättest traurige Augen.“
Ethan blickte aus dem Fenster und betrachtete die Stadt, die sich unter ihm ausbreitete, luxuriös und endlos.
„Es tut mir leid“, sagte Maria. „Ich hätte es nicht mitbringen sollen.“