„Schneidet mir den Arm ab!“, flehte der Junge unter Tränen, und sein Vater dachte, er sei verrückt geworden… bis das Kindermädchen ohne Erlaubnis den Gipsverband aufbrach und die grausame Rache seiner Stiefmutter enthüllte.

Sie reicht dir ihre Hand.

In der Mitte liegt eine winzige rote Ameise.

Tot.

Dein Magen verkrampft sich.

„Elvira.“

„Da waren noch drei auf seinem Laken.“

Du starrst das Insekt an.

Dann sie.

„Vielleicht kamen sie aus dem Garten.“

„Nein“, sagt sie. „Sie kamen vom Gips.“

Der Raum erstarrt.

Für einen Moment hallt Valerias Stimme in deinem Kopf wider.

Manipulation.

Paranoia.

Aufmerksamkeit.

Dann ertönt eine andere Stimme.

Diegos.

Sie kommen herein.

Sie beißen mich.

Du bewegst dich, bevor du es überhaupt merkst.

Als du in Diegos Zimmer kommst, ist er halb bewusstlos, seine Haut feucht, seine Lippen trocken. Ein Lederriemen hält sein linkes Handgelenk noch immer am Bettgestell fest. Sein rechter Arm liegt eingegipst über seiner Brust, die Finger geschwollen, die Haut am Rand rot und wund.

Der Geruch trifft dich jetzt.

Wie konntest du ihn vorher nicht gerochen haben?

Süßlich.

Verdorben.

Falsch.

Dir werden fast die Knie weich.

„Elvira“, flüsterst du.

Sie steht schon am Nachttisch und holt Schere, Handtücher und das kleine Notfallset heraus, das sie für alles von Fieber bis zu aufgeschürften Knien bereithält.

„Wir brauchen einen Arzt“, sagst du.

„Wir müssen zuerst den Gips abnehmen.“

„Nein. Das können wir nicht. Wenn der Knochen …“

„Wenn wir warten“, sagt Elvira mit brennenden Augen, „gibt es vielleicht kein Kind mehr zu retten.“

Das bringt dich zum Schweigen.

Diego bewegt sich unruhig.