Deine Brust schnürt sich zusammen.
„Valeria“, sagst du langsam, „warum hast du Angst, es zu öffnen?“
Ihr Gesichtsausdruck verändert sich augenblicklich.
Ihre Augen füllen sich mit Tränen.
„Jetzt beschuldigst du auch noch mich? Nach allem, was ich für diese Familie getan habe?“
Vor einer Woche hätte das noch funktioniert.
Vor einem Tag vielleicht.
Aber nicht bei diesem Gestank im Zimmer.
Nicht mit den Ameisen.
Nicht mit den geschwollenen, zitternden Fingern deines Sohnes.
„Geh weg“, sagst du.
Ihr Blick verhärtet sich.
Nur für einen Moment.
Dann tritt sie zur Seite.
Elvira holt einen Gipsschneider aus ihrer Notfalltasche.
Du fragst nicht, warum sie ihn dabei hat.
Später erzählt sie dir, dass sie, als ihr klar wurde, dass niemand Diego glauben würde, einen alten Freund aus der Klinik anrief und ihn um Hilfe bat.
Jetzt hörst du nur noch ein leises Knirschen, als der Gipsschneider beginnt, den Gips zu durchtrennen.
Diego schreit auf.
Nicht, weil ihn der Schneider berührt.
Sondern weil die Vibration das in ihm erweckt.
„Sie bewegen sich!“, ruft er. „Papa, sie bewegen sich!“
Du packst ihn sanft an den Schultern, Tränen verschleiern bereits deine Sicht.
„Es tut mir leid. Es tut mir leid. Ich bin da.“
Er sieht dich panisch an.
„Du hast mir nicht geglaubt.“
Diese Worte sind schlimmer als jeder Fluch.
„Nein“, flüsterst du. „Habe ich nicht.“
Elvira schneidet schneller.
Der Raum füllt sich mit Staub, Hitze und diesem widerlichen Geruch.
Valeria steht regungslos an der Tür.
Dann reißt der Putz.
Elvira reißt ihn auf.
Einen Moment lang rührt sich niemand.
Dann seufzt sie entsetzt.
Zuerst siehst du Rot.
Nicht direkt Blut.
Hautreizungen.
Schwellungen.
Dunkle Flecken.
Kleine, sich bewegende Körper.
Ameisen.