Dutzende von ihnen, gefangen unter dem Gipsverband, kriechen durch den klebrigen, braunen Belag, der sich über die Innenseite des Verbandes verteilt hat. Manche sind tot. Manche leben. Manche verschwinden in den Falten der Gaze, wo die Haut bis auf die Wunden abgelöst wurde.
Dein Blickfeld verengt sich.
Diegos Schreie werden immer leiser.
Elvira ruft nach Handtüchern, Wasser, Desinfektionsmittel, Handschuhen.
Du kannst dich nicht bewegen.
Weil dein Sohn die Wahrheit gesagt hat.
Dein Sohn hat die Wahrheit gesagt.
Dein Sohn hat dich angefleht, ihm den Arm abzuschneiden, weil ihn etwas unter dem Gipsverband buchstäblich auffrisst.
Und du hast ihn ans Bett gefesselt.
Elvira schlägt dir auf den Arm.
„Beweg dich, Alejandro!“
Das reißt dich aus deinen Gedanken.
Du rennst nach Wasser.
Du rufst einen Krankenwagen.
Du rufst einen Orthopäden an.
Du rufst den Notruf und kannst kaum sprechen.
„Mein Sohn“, sagst du. „Sein Gips. Da sind Bakterien drin. Infektionsgefahr. Wir brauchen sofort Hilfe.“
Valeria weicht in Richtung Flur zurück.
Du siehst sie.
„Elvira“, sagst du, ohne den Blick von ihr abzuwenden, „schließ die Haustür ab.“
Valeria erstarrt.
„Was?“
Du gehst auf sie zu.
„Wo willst du hin?“
Sie lacht, aber das Lachen ist gequält. „Ich zieh mich nur schnell an. Wir müssen ins Krankenhaus.“
„Nein.“
Ihr Gesichtsausdruck verändert sich.
Du hast Valeria schon wütend erlebt.
Elegant wütend.
Beherrscht wütend.
So wütend, dass das Personal verschwindet und sich die Kellner für Dinge entschuldigen, die sie nicht getan haben.
Dies ist anders.
Dies ist die Wut einer Ertappten.
„Sieh mich nicht so an“, sagt sie.