Du starrst sie an.
„Was hast du getan?“
Ihr Mund öffnet sich.
Kein Laut.
Hinter dir schluchzt Diego, während Elvira die offene Wunde so sanft wie möglich reinigt. Er zittert. Er hat Fieber. Er lebt.
Und mit jeder Sekunde wird die Frage lauter.
„Was hast du meinem Sohn angetan?“
Valerias Augen füllen sich erneut mit Tränen.
„Du bist verrückt.“
„Nein“, sagst du. „Das war dein Wort für ihn.“
Vierzehn Minuten später trifft der Krankenwagen ein.
Die Sanitäter eilen herein. Elvira gibt eine kurze, präzise Erklärung, viel ruhiger, als du es verdienst. Der offene Arm wird verbunden, versorgt und stabilisiert. Diego wird auf eine Trage gehoben, weint immer noch und fleht, Valeria nicht an sich heranzulassen.
Dann hält einer der Sanitäter inne.
Er sieht dich an.
Dann Valeria.
Dann wieder Diego.
„Sir“, sagt er vorsichtig, „wir sind verpflichtet, den Verdacht auf Kindesmisshandlung zu melden.“
Stille breitet sich im Raum aus.
Valeria platzt heraus: „Kindesmisshandlung? Er hat sich in der Schule den Arm gebrochen! Seine eigene Paranoia hat alles nur noch schlimmer gemacht!“
Diego wendet sein Gesicht Elviras Hand zu.
Der Sanitäter widerspricht nicht.
Er sagt nur: „Wir sind verpflichtet, es zu melden.“
Zum ersten Mal in eurer Ehe sieht Valeria dich nicht als Ehemann an, sondern als einen Mann, der ihr vielleicht bald nichts mehr nützen wird.
„Sag es ihnen“, sagt er.
Du siehst deinen Sohn an.
Seine Augenlider flattern. Seine Lippen sind grau. Sein Körper ist erschöpft von den Tagen der Qualen, die du als Wahnsinn abgetan hast.
Dann siehst du deine Frau an.
„Nein.“
Ihr Gesicht erbleicht.
Das Krankenhaus verschwimmt vor deinen Augen.
Notaufnahme.
Orthopädische Untersuchung.
Sprechstunde bei Infektionskrankheiten.
Antihistaminika.
Antibiotika.