Wundreinigung.
Schmerzmittel.
Bluttests.
Fotos.
Berichte.
Die Ärzte sprechen leise und kontrolliert, sodass alles noch schlimmer klingt.
Chemische Reizung.
Insekteninfektion.
Mögliche absichtliche Einnahme.
Berühren des Gipses.
Anhaltendes Leiden.
Psychisches Trauma.
Du stehst an Diegos Bett, während er unter Medikamenteneinfluss schläft. Sein Arm ist gereinigt und verbunden, der Knochenbruch stabilisiert.
Er sieht klein aus.
Zu klein.
Zehn Jahre alt.
Dein Sohn.
Dein kleiner Junge, der dich einmal fragte, ob Wolken müde werden, wenn sie den ganzen Tag unterwegs sind.
Du presst deine Hand gegen das Bettgitter, weil du Angst hast, dass er aufwacht und zusammenzuckt, wenn du ihn berührst.
Elvira sitzt auf der anderen Seite des Bettes und summt ein altes Lied aus Oaxaca.
Sie hat dich seit zwei Stunden nicht angesehen.
Du hast es verdient.
Ein ernst dreinblickender Arzt, Dr. Herrera, betritt den Raum.
„Herr De la Vega?“
Du richtest dich auf. „Ja.“
„Wir haben organisches Material aus dem Inneren des Gipses entfernt. Es fanden sich Zuckerreste, eine honigartige oder sirupartige Substanz und Spuren von roten Ameisen. Die Innenauskleidung scheint absichtlich verunreinigt worden zu sein, nachdem der Gips angelegt wurde.“
Dein Mund wird trocken.
„Danach?“
„Ja. Die Außenauskleidung wurde an mehreren Stellen durchstochen. Kleine Löcher. Wahrscheinlich mit einer Nadel oder einem dünnen Instrument gemacht. Genug, um eine süße Flüssigkeit unter die Auskleidung zu spritzen.“
Der Flur scheint sich zu neigen.
Du erinnerst dich an Diegos Schreie in jener ersten Nacht.
Es brennt.
Du erinnerst dich, wie Valeria dir sagte, du sollst den Gips nicht abnehmen.
Es brennt noch tiefer.
Dr. Herrera fuhr fort: „Die Hautschädigung ist schmerzhaft, aber behandelbar. Wir halten das Infektionsrisiko unter Kontrolle. Das größere Problem ist die Verzögerung. Er hatte große Schmerzen.“
Verzögerung.
Ein treffendes Wort für Ihr Versagen.