Die alleinerziehende Mutter nahm ihre Tochter mit zur Arbeit – sie hätte sich nie träumen lassen, dass der Mafia-Boss ihr ein Angebot machen würde – NANA

„Eine Mission?“

„Ja, aber streng geheim. Du musst mucksmäuschenstill sein. Okay?“

Lily nickte ernst, presste die Lippen zusammen und tat so, als würde sie sie mit einem imaginären Schlüssel verschließen.

Die Fahrt war ein verschwommenes Gedränge in überfüllten U-Bahn-Waggons und eisigem Wind.

Serepa trug Lily fast die ganze Strecke; ihre Schultern schmerzten vom Gewicht der Ananas und eines schweren Rucksacks voller Malbücher, einem iPad mit genau 50 % Akku, Stiefeln und einem Spielzeug.

Als sie endlich die riesige Glasfassade des Grande erreichten, mied Serena die Drehtüren und ging durch die Gasse zum Personaleingang.

Ihre Hände zitterten, als sie ihre Karte durchzog. Die Ampel wurde grün.

Schritt 1: Erledigt.

Das Innere des Luxushotels war ein Labyrinth aus Betonkorridoren, Neonröhren und geschäftigem Personal.

Serepa rannte förmlich in den Waschraum im vierten Stock: ein großer, verglaster Abstellraum, vollgestopft mit hohen Regalen voller feiner Bettwäsche, Industriewaschmittel und zusätzlichen Toilettenartikeln.

Morgens ging dort fast niemand hinein.

In der dunkelsten Ecke hinter den Regalen baute Serepa mit drei flauschigen Bettdecken und einem Stapel Kissen eine Art provisorische Höhle. Sie setzte Lily hinein, gab ihr das iPad und das Spiel.

„Okay, mein kleines Mäuschen“, flüsterte Serepa und strich Lily eine Locke von der Stirn. „Du bleibst hier. Du schaust deine Cartoons. Du gehst auf keinen Fall raus. Ich komme in meinen Pausen vorbei, okay?“

„Ich bin brav, Mama“, versprach Lily, schon ganz gebannt vom Bildschirm.

Serepa schloss die Schlafzimmertür von außen ab und betete zu allen Heiligen und Göttern, die sie kannte, dass ihre Tochter versteckt bleiben würde. Genau eine Minute vor Schichtbeginn kontrollierte sie den Eingang.

Ihre Vorgesetzte, eine strenge Frau namens Breda mit einem durchdringenden Blick, schritt vor dem Reinigungspersonal auf und ab.

„Aufgepasst!“, bellte Breda und presste ihr Klemmbrett an die Brust.

„Der kleine Tyrann kommt heute von einer Geschäftsreise aus Italien zurück. Das gesamte Obergeschoss muss blitzblank sein.“

Nicht ein Staubkorn, nicht ein Fleck auf dem Glas.

„Jekis!“

Serepa zuckte zusammen.

„Jawohl, Chefin.“

„Sie sind jetzt mit dem Büro des Chefs und dem Aufenthaltsraum dran. Los jetzt!“

Serepa schluckte. Das Büro des Chefs war berüchtigt für seine Ängstlichkeit. Der Besitzer, ein Mann, über den man wie über Herrn Roma nur ängstlich flüsterte, war tagsüber fast nie da.

Sie war ein Geist, ein Schatten, dem die Hälfte des städtischen Immobilienmarktes gehörte und, Gerüchten aus den Umkleidekabinen zufolge, ein bedeutender Teil der kriminellen Unterwelt.

Serena schnappte sich ihren Spezialwagen und ging zum privaten Serviceaufzug. Ihre Gedanken waren hin- und hergerissen: Auf der einen Seite der brutale Job, auf der anderen ihre kleine Tochter, vier Stockwerke tiefer versteckt.

Sie musste schnell arbeiten, unsichtbar sein und mit Lily zurückkehren. Sie ahnte nicht, dass ihr sorgfältig ausgearbeiteter Plan in tausend unwiderrufliche Stücke zerbrechen würde.

Drei Stunden später glänzte das kleine Haus.

Serena hatte den italienischen Marmor poliert, bis er wie ein Spiegel glänzte, die riesigen Mahagoni-Bücherregale im privaten Büro abgestaubt und die importierten Seidenkissen im Wohnzimmer geschrubbt.

Der Luxus war erdrückend. Jedes Möbelstück kostete mehr, als sie in ihrem ganzen Leben verdienen würde.

Doch unten, im vierten Stock, lief nicht alles nach Plan.

—Fortsetzung auf der nächsten Seite