»Nur enge Verwandte fliegen, und du, naives Mädchen, bleib einfach zu Hause!«, lachte die Schwiegermutter, während sie ihren Koffer packte.

Das Ladegerät funkte.

Sofia kroch unter das schwere Sofa im Wohnzimmer, um das dort feststeckende Staubsaugerkabel herauszuziehen, und tastete herum, bis sie ein fremdes Ladegerät fand.

Ihr altes Smartphone war angeschlossen – dasselbe mit dem gesprungenen Bildschirm, das sie sechs Monate zuvor in die unterste Schublade ihrer Kommode gelegt hatte.

Sofia wischte den Staub vom Bildschirm und drückte den Entsperrknopf.

Es gab kein Passwort.

Zwei ungelesene Benachrichtigungen der Mikrofinanzorganisation erschienen auf dem Bildschirm: „Ihr Antrag wurde genehmigt. Das Geld wurde auf das angegebene Konto überwiesen.“

Ein Gefühl der Vorahnung beschlich sie.

Sofia arbeitete als Qualitätskontrolleurin in einer großen Einzelhandelskette.

Sie bemerkte täglich Kassenfehlbeträge und verdächtige Kassierermanöver, aber sie hätte sich nie vorstellen können, dass sich der größte Skandal in ihrem eigenen Zuhause ereignen würde.

Sie setzte sich und lehnte sich an die kühle Wand.

Der Betrag, der im geöffneten persönlichen Bereich ihres alten Handys angezeigt wurde, war enorm.

Diese Art von Schulden wird üblicherweise für den Kauf einer guten Wohnung in einem Neubau aufgenommen, nicht in Form von Mikrokrediten mit Wucherzinsen.

Das Geld wurde auf eine Karte überwiesen, deren Nummer Sofia auswendig kannte – es war die Kreditkarte ihrer Schwiegermutter, Taisia ​​Pawlowna.

Der Geruch von kochendem Wasser im Wasserkocher und leichter Dampf stiegen aus der Küche auf – seine Schwägerin Inna spielte immer noch mit ihrem stinkenden Spielzeug am Tisch und ignorierte die Bitten, dies zu Hause zu lassen.

Sofia näherte sich leise der leicht geöffneten Tür.

„Mama, du bist aber gut gelaunt“, sagte Inna und nippte laut an ihrer Tasse.

„Was, wenn Sonja ihre Kreditwürdigkeit überprüft?“

„Wann hat sie denn Zeit dafür?“, schnaubte Taisia ​​Pawlowna.

Das Wasser im Spülbecken plätscherte.

„Sie ist von morgens bis abends mit Papierkram beschäftigt.

Seine alte SIM-Karte ist bei mir; sie ist mit Gosuslugi verknüpft.

Die Frau aus dem Büro hat alles reibungslos geregelt; sie hat nicht einmal angerufen, um es zu bestätigen.

Morgen hebt Vadim das Geld ab, wir bezahlen die Reise, und der Rest wird auf mein Kautionskonto eingezahlt.“

„Hat Vadim keine Angst?“

„Mein Sohn ist kein Feigling!“, unterbrach ihre Schwiegermutter sie scharf.

„Sie tut es für die Familie.“

Sonia ist eine starke Frau; sie wird sich revanchieren.

Wir werden sie doch nicht auf die Straße setzen, oder?

Also wird sie eine Weile sparsam leben müssen.

Wenigstens können wir uns dann mal wie normale Menschen ausruhen.“

Sofia versuchte, sich zu fassen.