Wenige Meter von der Straße entfernt stand eine rostige Straßenlaterne, eine dieser alten Stangen, die einst die Straße erhellten, nun aber verlassen und vergessen wie Relikte aus besseren Zeiten dastanden. „Steig aus dem Auto, Mom“, befahl Rodrigo emotionslos. „Was? Warum, Rodrigo? Was ist los?“, fragte Beatriz mit zitternder Stimme.
Patricia stieg aus dem Auto und riss die Hintertür auf. „Wir haben dir gesagt, du sollst aussteigen. Lass uns das nicht noch einmal sagen.“ Mit zitternden Beinen kletterte Beatriz aus dem Wagen. Die Wüstenhitze traf sie wie eine Wand. Die Luft war so trocken, dass ihre Lippen innerhalb von Sekunden rissig wurden.
Sie suchte nach einem Zeichen der Zivilisation – einem Haus, einem anderen Auto –, aber da war nichts, nur die endlose Wüste und diese Straßenlaterne, die wie ein stummer Wächter in der Einöde stand. Rodrigo öffnete den Kofferraum und zog ein dickes Seil heraus. Beatriz spürte, wie ihre Beine unter dem Gewicht nachgaben. Nein, nein, bitte, was willst du tun? Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, erstickt vor Angst. „Was wir schon vor Jahren hätten tun sollen“, erwiderte Patricia kalt, „ist, uns von der Last zu befreien, die du darstellst.“ Die folgenden Szenen entfalteten sich wie ein Albtraum, aus dem Beatriz nicht erwachen konnte.
Rodrigo und Patricia zerrten sie zur Laterne. Sie versuchte, sich zu wehren, versuchte zu schreien, doch ihre Stimme verhallte in der Unendlichkeit der Wüste. Niemand hörte sie, niemand half ihr. Mit mechanischen Bewegungen, als wäre es eine alltägliche Tätigkeit, fesselten ihre eigenen Kinder sie an den Pfahl.
Die Seile zogen sich um ihre faltige Haut zusammen und schnitten die Blutzufuhr zu ihren Armen ab. Schließlich rannen ihr Tränen über die Wangen und hinterließen glänzende Spuren auf ihrem staubigen Gesicht. Warum hatte sie zwischen ihren Schluchzern sprechen können? Was hatte ich getan, um das zu verdienen? Ich habe sie mit Liebe erzogen. Ich habe ihnen alles gegeben, was ich hatte. Genau. Rodrigo unterbrach sie, sein Gesicht verzerrt vor Groll. „Du hast uns alles gegeben, was du hattest. Aber es war nie genug. Es war nie das, was wir wollten. Und jetzt bist du alt, krank, hilflos. Dich zu pflegen würde Geld kosten, das wir nicht ausgeben wollen. Dein Haus ist viel Geld wert, Mama“, fügte Patricia hinzu und zog ein Dokument aus ihrer Tasche.
„Hier ist die Urkunde. Wir verkaufen es. Wir haben bereits einen Käufer gefunden, der bereit ist, einen guten Preis für das Grundstück zu zahlen. Mit dem Geld können wir … nun ja, wir können besser leben, ohne Sorgen.“ Beatriz traute ihren Ohren nicht. Das alles wegen Geld, wegen eines Hauses, wegen eines Stücks Land.
„Aber, aber es ist mein Zuhause“, sagte sie schluchzend. „Hier habe ich mit deinem Vater gelebt, hier seid ihr alle aufgewachsen. All unsere Erinnerungen sind dort.“ „Erinnerungen bezahlen keine Rechnungen“, erwiderte Rodrigo. „Und du hast dein Leben gelebt. Jetzt sind wir an der Reihe. Na und?“ „Was wird aus mir?“ „Fragte Beatriz, obwohl sie die Antwort tief in ihrem Herzen bereits kannte.“
Schweigende Stille senkte sich zwischen sie. Rodrigo und Patricia wechselten einen Blick, und in diesem Augenblick begriff Beatriz die Wahrheit. Sie hatten keinen Plan für sie. Sie würden sie dort dem Tod überlassen, der Wüstensonne, dem Durst, dem Hunger oder einem wilden Tier ausgeliefert, das die Arbeit für sie erledigen würde – etwas, wozu sie selbst nicht den Mut hatten.
„Das könnt ihr nicht tun“, flüsterte Beatriz. „Ich bin ihre Mutter. Ich habe sie getragen. Ich habe ihnen das Leben geschenkt, und jetzt rächen wir uns“, sagte Patricia mit einem grausamen Lächeln. „Wir befreien dich von der Last eines Lebens, das keinen Sinn mehr hat.“ Rodrigo und Patricia gingen zurück zum Auto. Beatriz kämpfte gegen die Fesseln, schrie, flehte, weinte und erinnerte sie an jedes Opfer, das sie für sie gebracht hatte. Jede schlaflose Nacht, als sie krank waren, jede Mahlzeit, die sie ausließ, um sicherzustellen, dass sie genug zu essen hatten, jeder Traum, den sie opferte, um ihnen eine bessere Ausbildung zu ermöglichen … doch ihre Worte verhallten ungehört. Rodrigo startete den Wagen. Patricia stieg ein, ohne sich auch nur einmal umzusehen, und dann fuhr der schwarze Wagen davon und wirbelte eine Staubwolke auf, die Beatriz in einen goldenen Nebel hüllte, der in ihren Augen und ihrer Kehle brannte. Nein, bitte, tu das nicht …
„Lasst sie hier zurück, Rodrigo, Patricia.“ Ihre Schreie waren herzzerreißend, erfüllt von einer urtümlichen, instinktiven Verzweiflung, die nur jene kennen, die auf grausamste Weise von den Menschen verraten wurden, die sie am meisten lieben. Der Wagen wurde in der Ferne immer kleiner, bis er schließlich ganz verschwand, verschluckt vom wogenden Wüstenhorizont.
Und Beatriz blieb allein zurück, ganz allein, mitten in der Wüste, an einen rostigen Laternenpfahl gefesselt unter der erbarmungslosen Mittagssonne. Die Stille, die folgte, war ohrenbetäubend. Kein Vogelgesang, kein Verkehrslärm, keine menschlichen Stimmen.
Ane, nur ein