TEIL 2
Valeria stieg verzweifelt die Treppe hinunter, mit einer so kalten Ruhe, dass selbst Diego aufblickte.
In der Küche öffnete Socorro ihre Schubladen, als suche sie nach etwas Verlorenem. Ein erster Blick in den Kühlschrank. Eine Frage war, wo sie ihr Handy aufladen konnte. Niemand benahm sich wie ein Gast. Alle benahmen sich wie die Besitzer. Küche und Esszimmer.
„Es war an der Zeit“, sagte Socorro, ohne sie anzusehen. „Räum die Teller weg und schenk noch Salsa nach.“
„Ich werde nichts wiedererkennen“, erwiderte Valeria.
Die Stille war wie ein Schlag.
Diego ging sofort auf sie zu.
„Valeria, tu mir das nicht vor allen an!“
„Was denn?“, fragte sie. „Hast du etwa gefilmt, wie deine Familie ohne meine Erlaubnis hereingekommen ist?“
Socorro knallte die Schublade zu.
„Eine Frau, die in eine Familie kommt, muss lernen zu teilen.“
„Teilen heißt nicht, dass er in mein Haus eindringen darf“, sagte Valeria.
„Lucas … ich meine, Diego hat einen Schlüssel“, erwiderte Socorro, als wäre damit alles geklärt.
„Ich habe Diego einen Schlüssel gegeben. Nein, du bist es gewohnt.“
Diegos Gesichtsausdruck veränderte sich. Zum ersten Mal wirkte er verlegen, sagte aber nichts gegen seine Mutter. Schwangerschaft und Mutterschaft
„Meine Mutter wollte einfach nur etwas Schönes organisieren“, murmelte er.
„Schön? Ich habe mir selbst Essen bestellt, das ich in meinem eigenen Haus essen durfte.“
Eine Tante huschte über seine Zunge.