—Ja, Tochter, du wärst fast verheiratet gewesen. Hör auf, dich wie eine verbitterte alte Jungfer zu benehmen. Das ist unser Haus. Christentum.
Diego steckte genervt sein Handy weg.
—Valeria, bitte. Keine Papiere.
—Hast du ihnen gesagt, wem das Haus gehört?, fragte sie und sah ihn direkt an.
Er knirschte mit den Zähnen.
—Ich muss niemanden mit Formalitäten demütigen.
—Formalitäten?, wiederholte sie. —Es ist mein Eigentum.
Aus dem Flur hörte man eine Jungenstimme:
—Das Gästezimmer ist perfekt für die Wochenenden.
Eine andere Stimme antwortete:
—Meine Mutter meinte, das Wohnzimmer könnten wir nach der Hochzeit haben. Schwangerschaft und Mutterschaft.
Valeria drehte langsam den Kopf.
Es war kein Besucher.
Sie teilten sich ein Zimmer.
Socorro lächelte zufrieden. —Das Haus ist zu groß für zwei. Außerdem hat Diego Familie. Hier passt jeder rein, wenn man es gut meint.
Valeria ließ ihre Tasche auf dem Tisch liegen und ging wortlos nach oben. Sie musste erst einmal tief durchatmen, bevor sie losbrüllte.
Als sie den Flur im ersten Stock erreichte, stand die Tür zum Gästezimmer offen. Darin befanden sich ein großer Koffer, gefaltete Kleidung auf dem Bett und eine Tasche mit Schuhen. Im anderen Zimmer hatte jemand eine gierige Tasche, Sandalen und einen Rucksack zurückgelassen. Türen und Fenster.
Dann hörten wir von unten Socorros Stimme, leise, aber deutlich:
– Sie wird schon noch den Mund halten, wenn sie kapiert, dass wir alle hier wohnen werden.
Valeria war von Kopf bis Fuß mit Eiscreme beschmiert.
Und in diesem Moment wurde mir klar, dass niemand ihr Haus betreten hatte.
Sie hatten ihr ausführlich erklärt, was mit ihrem Leben passieren könnte.