Ich spürte einen Kloß im Hals und Tränen stiegen mir in die Augen. Doch es waren keine Tränen des Grolls, sondern der Erkenntnis.
Es war, als hätte mich jemand plötzlich daran gehindert, mir die Augen zu verbinden, und ich sah das wahre Gesicht des Mannes, mit dem ich so viele Jahre zusammengelebt hatte. In diesem Moment begriff ich, dass ich die Wahrheit nicht sagen konnte. Ich konnte nicht zugeben, dass es ein Test war und dass ich plötzlich befördert worden war.
Etwas in mir wehrte sich. Meine Intuition flüsterte mir zu, dass es besser wäre, anzurufen und abzuwarten. Und ich hörte auf dieses Flüstern.
Ich stand einfach auf und verließ schweigend das Zimmer, während er in die Leere schrie. Ich schloss mich im Badezimmer ein und saß wie eine riesige Maus unter dem heißen Wasser, um die Demütigung und die Bitterkeit abzuwaschen. Wie seltsam, wie weit entfernt der Mann geworden war, den ich einst für den Nächsten gehalten hatte. Wir sprachen in dieser Nacht kein Wort mehr miteinander.
Anton, trotzig, schlief auf dem Sofa im Wohnzimmer, und ich fand mich allein in unserem Schlafzimmer wieder, starrte an die Decke und fragte mich, wie unsere scheinbar so stabile Ehe so zerbrechlich geworden war.
Am Morgen wurde ich vom Lärm an der Tür geweckt. Anton war zur Arbeit gegangen, ohne sich zu verabschieden, ohne eine Nachricht zu hinterlassen, ohne mich zu wecken – wie an einem einsamen Tag.
Ich lag im Bett und spürte eine seltsame Leere in mir. Der Ärger, der Groll, die Enttäuschung über Ayer … all das schien verflogen zu sein und hatte nur eine kalte geistige Klarheit hinterlassen.
Du musst zur Arbeit. Schließlich hatte ich eine neue Aufgabe, neue Verantwortlichkeiten. Aber irgendetwas hielt mich zu Hause.
Eine Art Vorahnung, Intuition, wie auch immer man es nennen mag. Ich rief meine Partnerin Mascha an und bat sie, mich zu vertreten, mit angeblichen gesundheitlichen Problemen. Sie willigte ein, obwohl ich ein gewisses Interesse in ihrer Stimme wahrnahm.
Mascha war schon immer eine kleine Klatschtante gewesen, aber jetzt hatte sie keine Zeit für Erklärungen. Allein wusste ich nicht, was ich tun sollte. Mechanisch sortierte ich die Wäsche, wusch sie und richtete alles her. All diese Routinearbeiten halfen mir, über den Vortag nachzudenken, über das, was mit unserer Ehe, mit uns, los war.
Es war fast Mittag, als sich die Tür öffnete. Ich erstarrte, einen Lappen in der Hand. Anton kam an diesem Tag nicht nach Hause.
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